Der Metropolit, der Bruder unter Geschwistern ist
Ein anderer Blick
Höxter-Brenkhausen, Juli 2026.
Die Fotografien zeigen Seine Eminenz Metropolit Anba Damian, wie man ihn kaum je zu sehen bekommt: ohne Ornat, ohne Insignien, ohne die sichtbaren Zeichen seines hohen Amtes. Im Halbdunkel eines Flures seines Klosters steht ein Mann im schlichten Mönchsgewand. Das Licht fällt durch ein Fenster. In seiner Hand ruht das koptische Handkreuz.
Mehr braucht es nicht.
Denn gerade in dieser Reduktion wird etwas sichtbar, das sich hinter dem Amt verbirgt: ein Mensch, der trotz seiner Würde und seines Ranges zuerst und zuletzt eines sein möchte – Diener.
Vom Arzt zum Mönch
Anba Damian war zehn Jahre als Arzt in Deutschland tätig, bevor er dieses gesicherte bürgerliche Leben hinter sich ließ und nach Ägypten ging, um Mönch zu werden.
Es war eine Entscheidung für ein anderes Leben: für Verzicht statt Besitz, für Dienst statt Status, für die Gemeinschaft statt für sich selbst.
In der koptischen Tradition reicht diese Haltung bis zu den ersten Mönchen und Wüstenvätern Ägyptens zurück. Der Mönch versteht sich als Bruder unter Brüdern – nicht als jemand, der über anderen steht.
Diese Entscheidung hat Anba Damian auch dann nicht verlassen, als sein Weg ihn wieder nach Deutschland führte.
Metropolit
Heute ist Anba Damian Metropolit der koptisch-orthodoxen Kirche und leitet das Koptische Kloster Brenkhausen. Im November 2025 wurde er vom koptischen Papst Tawadros II. in Kairo in diesen Rang erhoben – einen der höchsten, den ein Bischof innerhalb der koptischen Kirche erreichen kann.
Damit trägt er Verantwortung weit über die Mauern des Klosters hinaus. Brenkhausen ist geistliches Zentrum, Begegnungsstätte und Ort des Dialogs mit Kirche, Gesellschaft, Wissenschaft und Politik.
Und doch scheint all dies in diesen Fotografien für einen Augenblick zurückzutreten.
Kein Ornat. Keine Insignien. Keine Distanz.
Nur der Mönch.
Der Diener
Vielleicht liegt gerade darin das Wesen dieser Bilder.
Jesus selbst hat seinen Jüngern die Umkehrung menschlicher Vorstellungen von Größe als Maßstab seiner Nachfolge hinterlassen: Wer der Erste sein will, soll der Diener aller sein. In der Fußwaschung wird daraus eine Handlung.
Anba Damian lebt diese Haltung nicht nur in Worten.
Menschen, die ihn im Alltag erleben, berichten von einem Mann, der morgens als Erster aufsteht, um für die Gemeinschaft das Frühstück zu bereiten, und abends als Letzter zur Ruhe kommt.
Der Metropolit bleibt Mönch. Und der Mönch bleibt Diener.
Bruder unter Geschwistern.
Der Mensch hinter dem Amt
Die Fotografien von Thomas Hren entstanden ohne Studio, ohne künstliches Licht und ohne aufwendige Inszenierung. Hren nimmt sich Zeit für das Gespräch und wartet auf den Moment, in dem die Pose verschwindet und der Mensch sichtbar wird.
Für diese Serie genügte das vorhandene Licht eines Klosterflures.
Das Schwarz-Weiß nimmt den Bildern zusätzlich alles Äußerliche. Keine Farbe lenkt den Blick ab. Was bleibt, sind Gesicht, Haltung, Licht und Stille im Schwarz.
So wird nicht der Rang des Metropoliten fotografiert.
Sondern der Mensch, der ihn trägt.
Was bleibt
Ein Kirchenoberhaupt wird gewöhnlich in den Zeichen seines Amtes gezeigt. Diese Fotografien gehen einen anderen Weg.
Sie nehmen Anba Damian nichts von seiner Würde. Im Gegenteil: Sie zeigen, worin er selbst diese Würde zu finden scheint.
Nicht in der Höhe des Ranges, sondern in der Bereitschaft, sich selbst zurückzunehmen.
Nicht in der Autorität, sondern im Dienst.
Nicht im Rampenlicht, sondern im Licht, das gerade da ist.
Vielleicht ist es das, was diese Bilder so ungewöhnlich macht: Sie zeigen einen Metropoliten, ohne den Metropoliten in den Vordergrund zu stellen.
Sie zeigen einen Mann, der ein hohes Amt trägt und dennoch Bruder bleiben will.
Ein Diener unter Geschwistern.
Alle Fotos unterliegen dem Copyright, Kontaktanfragen bitte stellen an das Koptische Kloster Brenkhausen: